[Kolumne] Warum es keine grauen Mäuschen gibt oder- wenn die Likes ausbleiben.

01 Februar 2016

Wer ist hier eigentlich farbenblind?


Mode und Beauty? Gerne! Echtheit? Noch lieber! Jaci und Mona vom Blog Fleur et Fatale
Foto Rebecca Konrad Fotografie

Mal abgesehen davon, dass die Farbe grau die absolute Trendfarbe ist und ich deshalb, ganz Modeopfer, einige Teile in meinem Kleiderschrank hängen habe, war sie jahrelang auch eine Art Charakterzeugnis. Die Farbe für all jene, die nicht gesehen werden wollen, sich lieber verstecken und am liebsten abtauchen würden. Grau, die Farbe der farblosen, glanzlosen und mutlosen, stillen Mäuschen. Ist dir das nicht auch schon mal so gegangen?
Jemand Wildfremdes läuft auf der Strasse an dir vorbei und dein erster Gedanke ist „Was ist denn das für ein graues Mäuschen?“. Zu fade, zu farblos, zu unsichtbar. Den gleichen Fall gibt es auch in den sozialen Netzwerken: Ein Blog, auf dem die Fotos nicht richtig belichtet sind. Ein Instagramer, der ein Salamibrot als Frühstück zeigt..so gar nicht #healthyliving.
Die Frage ist, wer ist hier eigentlich farbenblind?


Das perfekte Instaselfie


Wenn ich mir die Followerzahl auf unseren sozialen Netzwerken anschaue, muss ich feststellen, dass die kein Knaller sind. Vergleichen wir uns mit den sogenannten „erfolgreichen“ Bloggern, gehören wir zum unteren Drittel der Nahrungskette. Keine hochdotierten Produktplazierungen, keine Chaneltaschen, keine Hochglanzoutfits. Stattdessen: langweiliger Alltag und hier und da ein abstehendes Haar auf dem ach-so-perfekten Instaselfie. Ziemlich graue Mäuse, das sind wir in der perfekten Bloggerglitzerwelt. Unperfekt, und für manche unsichtbar.
Blog Fleur et Fatale aus Stuttgart und Kiel: Echtheit und Authentizität bei Bloggern.
Foto Rebecca Konrad Fotografie

Gut, jetzt muss man sagen, du befindest dich auch hier auf einem Modeblog. Einer Plattform, die sich vorwiegend mit oberflächlichen Themen wie Kleidung und Beauty beschäftigt. Aber ist nicht selbst das zu kurz gedacht? Wer versteckt sich eigentlich hinter diesen perfekten Beauty-Selfies? Den wunderschönen, platzierten Low-Carb-Pancakes in Herzform und den Kleiderschränken, die eine Armada an Desingerstücken ihr Eigen nennen?
Und, wollen wir das überhaupt wissen?


Wen siehst du?


Es sind Menschen, die bestimmten Frames und Glaubenssätzen folgen. Menschen die morgens aufstehen und abends zu Bett gehen. Die sehr oft glücklich und viel öfter traurig sind. Die ratlos und rastlos sind. Mutig und manchmal unsicher. Nichts Neues denkst du? Dann will ich dich herausfordern, das im Hinterkopf zu haben, wenn du das nächste Mal einen Blogpost liest. Einen Instafeed durchscrollst, oder ein Youtubevideo schaust. Wen siehst du da?
Ich für meinen Teil habe diese Informationen viel zu lange durch eine "Vergleiche-dich-Brille" geschaut.  SIE hat ein schöneres Leben. Außerdem keine Geldsorgen, weil SIE schon wieder eine neue Louis Vuitton postet. Mein Frühstück sieht nie so aus wie das von IHR. SIE hat den neuen Bikini. Und IHR Blog wird so gehyped.
Bevor sich jemand aufregt: Diese Dinge sind klasse, sie machen Spaß und sind absolut legitim. Ich bin eine Frau, ich liebe Schminke, ich liebe teure Klamotten und ich liebe Schuhe. Und ja: Du befindest dich hier auf einem Modeblog. Aber das ist eben nur die halbe Wahrheit. Die Frage ist, über was definieren wir uns und welchen Einfluss lassen wir in unser Leben?

Das sind wir.


Hinter Fleur Et Fatale stecken zwei Freundinnen. Echte Freundinnen, die nicht über Instagram kommunizieren. Mit echter Liebe füreinander. Kenngelernt haben wir uns im zarten Alter von 19 Jahren, unvoreingenommen, neugierig auf die Welt, frisch von der Schule, direkt nach dem Abitur,  in einer Moderedaktion in München. Schockverliebt haben wir uns und sind deshalb seit ein paar Jahren gemeinsam unterwegs. Auf unserem persönlichen Modeweg sind wir gemeinsam vorgeprescht und im Privaten zusammengerückt, wenn es notwendig war.
Unser Blog, der hat diese, unsere, gemeinsame Reise immer reflektiert.
Unsere Gezeiten des Lebens wieder gespiegelt. Unser Instagramfeed zeigt uns in tollen Posen bei einem Fotoshooting aber auch im Jogginganzug. Wir essen gesund, wenn wir können und ungesund, wenn wir wollen. Wir bloggen, wenn wir etwas zu sagen haben und lassen es sein wenn uns das wahre Leben dazwischen kommt. Das ist echt, aber nicht salonfähig in der Bloggerspähre.
Das echte Leben spielt hier. Blog Fleur et Fatale.
Fotos Rebecca Konrad Fotografie

 

Schwarz und weiß.


Ich kenne das von mir selbst. Am liebsten habe ich die Blogs gelesen und jene Instagramaccounts verfolgt, die mir Pause von meinem eigenen Alltag geliefert haben. Pause vom Grau. Was ich gesucht habe, war schwarz und weiß. Gegensätze, Extreme. Fitnessaddicts und Beautygurus, Macaronsbäckerinnen und Lowcarb Spezialisten. Hipster und First-Row-Modejunkies. Wenn du uns fragen würdest wo wir uns selbst einordnen, würden wir dir Folgendes antworten:
Überall und nirgendwo. Von allem ein bisschen und manchmal mehr und weniger vom Anderen. Wie uns das aussehen lässt? Inkonsistent, schwer zu kategorisieren, nicht greifbar und normal.
Einfach normal.
Ganz so, wie das Leben eben auch ist.
Was ich eigentlich nur sagen will? Anzuerkennen, dass wir wir sind und mal zu sagen: Das Leben spielt in der Realität. In der echten. In der auch mal schmutzige Socken herumliegen oder neben dem perfekten Foto mit Kaffee und Low-Carb-Kuchen die 10er Packung Schokoriegel liegt.
Die sozialen Netzwerke können uns als Inspiration dienen. Aber eben immer nur genau da, wo wir auch dafür empfänglich sind.


Herzlichst,

Eure Mädels von Fleur et Fatale


(Text: Jaci)
Kommentare on "[Kolumne] Warum es keine grauen Mäuschen gibt oder- wenn die Likes ausbleiben."
  1. Hallo liebe Jaci,

    das hast du wirklich sehr schön geschrieben! Am Ende hat glaub ich jeder von uns auch ein paar dieser perfekten Instagram Accounts abonniert, die die immer perfektes Fotolicht und wahnsinnig schön angerichtetes Essen und alles haben. Ist auch ok so, so lange man selbst auf dem Boden der Tatsachen bleiben kann und sich davon nicht unter Druck gesetzt fühlt, weil einfach niemand perfekt ist. Und wenn der Blog oder der Insta-Account noch so glitzernd aussieht - die Realität sieht auch bei diesen Mädels nicht immer rosarot aus.
    Hast du das von dieser australischen Instagram Beauty Essena O'Neill mitbekommen, die dann irgendwann alles hingeworfen hat, weil es eh nur gestellt war? Ich finde, es ist halt nicht so leicht, die feine Linie zwischen inspirierend-so-möchte-man-gern-sein und gähn-das-sieht-ja-lame-aus-wieso-teilst-du-das immer zu treffen. Aber ich folge euch super gerne, weil ihr so ehrlich seid und dabei trotzdem so wunderschöne Bilder macht.
    Also weiter so! <3

    Alles Liebe,
    Corinna
    www.kissenundkarma.de

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  2. Hey ihr zwei Lieben,
    ganz toller Beitrag, danke dafür! Früher habe ich all die schönen und perfekten Instagram-Bilder geliebt. Mittlerweile folge ich lieber Bloggern oder Menschen mit Herz, deren Bilder vielleicht manchmal etwas zu dunkel oder verschwommen sind, die aber dafür ganz viel Charme und Charakter haben.
    Ich finde es großartig, dass ich euch gefunden habe :)

    Liebe Grüße
    Julia | www.schriftundherz.com

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  3. Das war mit Abstand einer der tollsten Posts, die ich seit langem auf Blogs gelesen habe. Ich finde ihr habt es in eurem Text genau richtig ausgedrückt und ich teile wirklich zu 100% eure Meinung. Ich finde es selbst so unglaublich Schade, dass Menschen sich durch Blogger etc. so sehr in ihren Handlungen beeinflussen lassen. Mich würde es unglaublich freuen mehr Posts wie diesen hier auf eurem Blog zu finden. Sehr schöner Post, meine Lieben! :)

    Love, Julia
    www.sere-ndipity.blogspot.de

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  4. Liebe Jaci ❤
    Bisjetzt kannte ich ja nur die liebe Mona, aber der Text hat mich wirklich wahnsinnig berührt! Ich finde die liebe Corinna hat das auch schon mördermäßig gut auf den Nagel getroffen. Ich finde in Instagram kann man eben in diese Glitzerwelt abtauchen und eben - wie du schon sagst - vom grauen Alltag etwas flüchten. Man muss einfach immer im Hinterkopf haben, dass das nur Momente sind. Auch oftmals inszinierte Momente, aber warum sollte man nicht einfach ein schönes Gefühl teilen - sei es eben nur ein Kuchen oder eine Tasse Tee :D

    Eigentlich gibt man sich selbst ja schon die Antwort: Wir flüchten dort von unserem grauen Alltag! Den JEDER hat einen grauen Alltag. Egal wie viel Kohle, Follower oder sonst was jemand hat. Niemand bleibt davon verschont und wenn ich weiß ja ganz genau dass hinter den Fotos auch oft eine harte Realität herrscht. Bei mir ist der ganze Instagram Feed ja auch so ein schön hindrapierter Overkill, aber auch nur weil ich diese pastelligen Fotos so sehr mag, deswegen poste ich zum Beispiel nicht den unaufgeräumten Schreibtischstuhl oder das phänomenal leckere Hirschgulasch - weils net in die pastelligen Farben passt :D Aaaah :D ❤ Aber ich finde, man kann sowas auch ruhig durchziehen solange man einfach persönlich und authentisch bliebt. Und das seid ihr ja allemal ❤ Dann muss mans ich auch keine Sorgen und Gedanken machen :)

    Bleibt einfach so wie ihr seid, denn so haben wir euch lieb :*
    Ich drück euch beide ganz doll,
    eure Duni ❤

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  5. Ein wirklich toller und sehr schöner Text. Vor allem setzt er sich eben mit einem Trend auseinander, der wohl jedem zur Zeit auffällt und mehr oder weniger nervt.
    Gerade professionelle Blogger leben nun mal davon alles so perfekt wie möglich in Szene zu setzen. Ist eben wie mit Werbung: den normalen Alltag will da niemand sehen. Dieses "traumhafte" Leben kommt bei der Masse gut an. Und für augenscheinliche Authentizität gibt es dann ja ein paar Snapchat Stories. ;)
    Alles schön und gut, wer erfreut sich nicht manchmal gerne an schönen und perfekten Fotos? Aber ich finde es mittlerweile fast schon langweilig, wie sehr alles dadurch zu einem Einheitsbrei verkommt. Es gibt halt nur noch wenig, so professionell aufgezogene Blogs oder Instagram Accounts, die mir wirklich gefallen und die ich interessant finde. Weil irgendwie alle nur noch machen was eben gut ankommt und meiner Meinung nach immer weniger Persönlichkeit dahinter steckt.

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