[Kolumne] Was alle wissen und trotzdem jeder tut.

19 Juli 2015

Wer bin ich?

Wer bin ich?
Das ist die wohl prägendste Frage unseres Lebens.
Die einen haben schon eine Antwort darauf, die anderen wollen keine finden und dann gibt es noch die Kategorie der Suchenden. Zu der Kategorie gehöre ich. Die Frage nach der eigenen Identität beschäftigt die Menschheit nicht erst seit gestern. Bei einer kurzen Google-Recherche bin ich auf über Tausende Bücher gestoßen, die sich mit der Suche nach der eigenen Identität beschäftigen.
Was tun wir nicht alles, um unsere eigene Welt zu konstruieren?
Mein Haus, mein Auto mein Traumjob. Kleider machen Leute. Haste was, biste was.
Das sind nur einige Aussagen, die uns in den Ohren klingen und unser Selbstbild prägen. Hast du schon mal darüber nachgedacht ob du diese Informationen brauchen kannst? Glaubst du unbewusst vielleicht sogar, dass diese Aussagen wahr sind? Werden wir vielleicht manchmal gedacht?

Ich wurde von dieser Welt bestimmt und sie wurde zu meiner Realität.
In meinen frühen Bloggerzeiten habe ich täglich die verschiedensten Seiten gelesen, dutzende YouTube-Videos von bekannten Beautygurus geschaut und verbrachte einen Großteil meiner Zeit damit, die neusten Kollektionen der Designer zu wälzen. Das alles macht mir nach wie vor Spaß und ist nichts Schlechtes. Dennoch hat es etwas mit mir gemacht, das mich jetzt sehr nachdenklich macht. Es hat mich in die Situation gebracht zu denken, immer perfekt gestylt sein zu müssen, dass mich Menschen anerkennen, die neuesten Trendteile zu haben und mein Geld unnötig für DM-Einkäufe auszugeben. Ich wurde von dieser Welt bestimmt und sie wurde zu meiner Realität.



Meine Lösung war die Entschleunigung, der Rückschritt zum Wesentlichen.
Vor ein paar Wochen habe ich meinen Instagram-Account gelöscht.
Die langen S-Bahn-Fahrten zu überleben war ohne das vertraute, pausenlose Scrollen durch die Glitzerwelten der Anderen zunächst mühsam. Zusätzlich reduzierte ich meinen Modekonsum, und die Zeit, die ich mit Filmen und Zeitschriften verbrachte um ein Vielfaches. Diese Unruhe, die sich in mir ausbreitete, wenn ich all diese Dinge tat, wollte ich abschalten. Anstatt danach zu suchen was mich glücklicher machen könnte, hörte ich einfach auf Dinge zu tun, die mir meine Freude raubten. Meine Lösung war die Entschleunigung, der Rückschritt zum Wesentlichen.
Raus aus Multitasking und Multimedia, rein in Ruhe und Frieden. Was sich zunächst beinahe schon tödlich anhörte gab mir meinen größten Schatz wieder: Etwas , wovon ich gar nicht mehr wusste, dass ich es besaß. Etwas, das mir jeden Tag fehlte und das ich in allem suchte, was ich tat.
Meine Herzensstimme.
Ganz anders, als alles was ich mir zuführe, schreit sie nicht, sondern flüstert. Erschlägt mich nicht mit Forderungen, sondern trägt mich. Offenbart mir den Weg zu einer Stärke die ich gar nicht im Außen suchen muss, weil sie längst im Inneren, in mir ist. Sie versucht mich nicht zu optimieren, sondern lässt mich sein. In dem ich aufhöre zu versuchen etwas zu sein und stattdessen werde wer ich bin. 
Alles was du suchst, wonach du dich sehnst, liegt bereits in dir. Reduziert diese Erkenntnis augenblicklich die Unruhe, die ich verspüre? Nein. Aber ich verbanne die Fremdeinwirkung aus meinem Leben und fange an, es wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Was wolltest DU schon immer mal machen? Welchen Traum hast du aufgehört zu verfolgen, weil du viel zu beschäftigt damit warst, dich darum zu drehen was draußen passiert?
Das hier ist dein Leben, nur du kannst es bewegen!


Vielen Dank an den Fotografen Tobias Bugala.
[ Jaci ]
Kommentare on "[Kolumne] Was alle wissen und trotzdem jeder tut. "
  1. Wow, das trifft es gerade alles ziemlich gut. Erstmal Hut ab davor dass du das durchgezogen hast - schon alleins deswegen hast du soviel Bewunderung verdient. Mich regt es selbst immer wieder auf mich über Klickzahlen und Follower zu definieren, mich zu vergleichen und den heimlichen Neid bei jedem Bild zu spüren. Eigentlich ist es wirklich krank, über was wir uns mittlerweile definieren.
    Trotzdem, so selbstbewusst und überzeugt bin ich, kann ich behaupten dass ich mich mehr auf den Moment als um die Momentaufnahme kümmere.

    Klasse Post!

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  2. Schöner Text, gut zu lesen dass es nicht nur mir so geht!
    Ich habe ich bis vor ein paar Wochen in einer politischen Partei stark gemacht, viel beteiligt, einiges in die Hand genommen. Was letztendlich bedeutet hat, dass ich immer am aktuellen politischen Geschehen dran war, immer auf dem neusten Stand sein musste.
    Bin von einer Veranstaltung zur nächsten gerannt, hatte immer Arbeit zu machen die wieder kein anderer gemacht hatte, Habe Organisation in die Hand genommen, weil wieder kein anderer Zeit dafür hatte.
    Am Ende kam ich mir vor als wäre ich Eigentum dieser Partei. Als hätte ich kein wirkliches Leben mehr, sondern stände nur noch auf Abruf bereit. Und alles um dann zu merken, hinter mir kommt nichts mehr.

    Jetzt habe ich alles hingeschmissen, bin raus, mache keinen Handschlag mehr. Es ging einfach nicht mehr! Es hat mich so dermaßen eingeschränkt, ich wollte nicht mehr!
    Habe einfach nur noch meinen sofortigen Austritt verkündert, mein Zeug gepackt und weg war ich!

    Meinen Mitgliedsbeitrag habe ich vor kurzem auf einem Konzert versoffen, war eine gute Investition! ;)
    Jetzt mache ich wieder was ich wirklich brauche! Gehe auf Konzerte, mache Photos, sitze wieder an der Nähmaschine und bin einfach oft mit tollen Menschen zusammen!

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  3. Ein sehr interessanter Post!!
    Solche Dinge wie die Beautygurus auf Youtube, die du erwähnt hast, sind sicher eher neue Phänomene, die vor allem Leute unter 25 stark beeinflussen (also mich eher weniger), aber grundsätzlich hat es das sicher schon immer gegeben, dass man meint, man müsste sich nach irgendwelchen Moden und nach Meinungen anderer richten um besonders "gut" oder "cool" zu sein. Im Internet ist das Ganze natürlich dadurch verstärkt, dass sowas ständig auf dich einprasseln kann!
    Hut ab, dass du versuchst, dich darauf zu besinnen, was dich selbst wirklich interessiert, egal ob beim Thema Mode und Beauty oder bei anderen Dingen - und nicht was andere dir aufschwatzen wollen!

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  4. WOW ❤ Ich bin echt sprachlos - ich bin gerade an so einem ähnlichen Blog Post dran. Über die Gelassenheit und die Ehrlichkeit von Bloggern bzw. was man sich selbst damit für einen Stress macht. Deinen Text könnte ich hiermit mit jedem Wort unterstreichen! Das hast du so wundervoll geschrieben meine Liebst! Ich zeihe den Hut vor dir das du das auch so durchgezogen hast, Meinen Respekt! Ich hab das genau gleiche vor wie du: mich wieder auf das Wesentliche konzentrierten, kein SEO-Manager zu sein und irgendwann wieder Zeit für mich haben. Denn Momentan wächst einem das wirklich über den Kopf... Ich drück dich ganz lieb meine Süße, und ich bin ganz arg stolz auf dich :* ❤

    Deine Duni

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  5. Vielen Dank für eure lieben Kommentare! So schön zu sehen, dass es nicht nur mir so geht.
    <3-lichst, Jaci

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  6. Sehr schöner Post und so gut ausgedrückt! Ich war dadurch das ich halb thai bin und meine Mutter in Thailand wohnt, immer auf der Suche nach mir selbst, habe mich nicht thai gefühlt und nicht deutsch, irgendwie eben nicht Ganz. Ich wollte so gerne immer ganz deutsch sein oder ganz thai, bis ich dann so große Sehnsucht nach Thailand hatte, dass ich es bereist habe und in meiner Mutter mich selbst gefunden habe. Die Zeit hat mich auch total geprägt und mir beigebracht, mehr auf mich selbst und meine Herzenstimme, wie du sie nennst, zu hören. Heutzutage bin ich stolz darauf halb halb zu sein, denn ich fühle mich auch so ganz und habe mich gefunden! Habe mich früher auch sehr oft beeinflussen lassen, allerdings weniger vom Internet, sondern mehr durch Mitschüler und Freunde/innen. Aber jetzt zieh ich eben mein eigenes Ding durch und bin zufrieden damit :)

    Liebste Grüße <3
    Jasmin von nimsajx.blogspot.de

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